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Farbige Illustration: Vier Menschen greifen von allen Seiten nach einem gelben Lastenrad, umgeben von großen Blättern und Sonnenblumen.
Haltung

Teilen ist gelebte Nachhaltigkeit – aber nur, wenn es funktioniert

· 4 Min. Lesezeit · Team OurThings · aktualisiert am

Warum gemeinsam genutzte Dinge messbar Ressourcen sparen und warum Organisation der entscheidende Faktor dabei ist.

Die nachhaltigste Bohrmaschine ist die, die nicht gekauft werden musste. Das gilt für fast alles, was selten gebraucht wird – und für einiges, was oft gebraucht wird, aber nie gleichzeitig.

Die Rechnung ist einfach

Ein Gegenstand, den sich vier Haushalte teilen, ersetzt im besten Fall drei Neukäufe. Das spart Material, Transport, Lagerfläche und am Ende Müll. Bei größeren Dingen – einem Auto, einem Anhänger, einem Ferienhaus – ist der Effekt entsprechend größer, weil auch die Herstellung mehr wiegt.

Beim organisierten CarSharing ist der Effekt gut untersucht: Ein stationsbasiertes Fahrzeug ersetzt im Durchschnitt elf private Pkw, in innerstädtischen Wohnlagen wurden Verhältnisse bis 1 : 20 gemessen.

Ein großes dunkles Auto, ein Gleichheitszeichen und elf kleine blasse Autos in zwei Reihen.Ein großes dunkles Auto, ein Gleichheitszeichen und elf kleine blasse Autos in zwei Reihen.
Ein stationsbasiertes CarSharing-Fahrzeug ersetzt im Durchschnitt elf private Pkw, in Innenstadtlagen bis zu zwanzig.Quelle: Bundesverband CarSharing

Der Punkt daran ist nicht die genaue Zahl. Der Punkt ist, dass sie so groß ausfällt: Es geht nicht um ein paar Prozent, sondern um eine Größenordnung.

Warum Teilen trotzdem oft scheitert

Der Grund ist selten mangelnder Wille. Es ist der Aufwand:

  • Man weiß nicht, ob etwas gerade frei ist.
  • Man will nicht schon wieder nachfragen.
  • Es ist unklar, wer für Wartung zuständig ist.
  • Nach einer Weile weiß niemand mehr, wem was gehört und wer was bezahlt hat.

Jeder dieser Punkte ist ein Organisationsproblem, kein Wertekonflikt. Und jeder von ihnen erzeugt dieselbe Reaktion: Man kauft sich lieber ein eigenes, weil das keine Absprache kostet.

Das ist der eigentliche Preis schlechter Organisation. Er wird nicht in Streit bezahlt, sondern in stillen Neukäufen.

Struktur macht Teilen alltagstauglich

Sobald Verfügbarkeit sichtbar ist und Verantwortung klar verteilt, sinkt die Hemmschwelle deutlich. Menschen teilen mehr, wenn Teilen nicht anstrengender ist als Besitzen.

Drei Dinge machen dabei den größten Unterschied:

  1. Sichtbare Verfügbarkeit. Ein Blick genügt, um zu wissen, ob etwas frei ist – keine Nachricht, kein Warten auf Antwort.
  2. Klare Zuständigkeit. Wartung und Reparatur haben einen Namen und ein Datum, nicht bloß guten Willen.
  3. Nachvollziehbare Kosten. Wer etwas vorstreckt, bekommt es zurück, ohne darum bitten zu müssen.

Was sich wirklich lohnt zu teilen

Nicht jeder Gegenstand eignet sich. Drei Fragen sagen ziemlich zuverlässig voraus, ob Teilen funktioniert:

  1. Wie oft wird es gebraucht? Je seltener, desto besser. Eine Kaffeemaschine teilt niemand, einen Anhänger fast jeder gern.
  2. Wie oft gleichzeitig? Ein Rasenmäher wird an denselben zwei Frühlingswochenenden gebraucht wie beim Nachbarn – das ist der Fall, in dem ein Kalender wirklich gebraucht wird.
  3. Wie teuer ist der Ersatz? Bei einem Gegenstand für 30 Euro kostet die Absprache mehr, als sie spart. Ab ein paar hundert Euro kippt das Verhältnis deutlich.

Die dankbarsten Kandidaten sind entsprechend: Anhänger, Dachbox, Hochdruckreiniger, Vertikutierer, Leiter, Bohrhammer, Partyzelt, Raclette für zwölf Personen, Kinderfahrradanhänger, Campingausrüstung. Alles Dinge, die im Jahr wenige Tage laufen und den Rest der Zeit Platz kosten.

Der Nebeneffekt: weniger Zeug

Das größte Argument fürs Teilen ist am Ende gar nicht ökologisch, sondern sehr praktisch. Jeder Gegenstand, den man nicht besitzt, muss auch nicht gelagert, gewartet, versichert, transportiert und irgendwann entsorgt werden.

Wer einmal einen Keller ausgeräumt hat, kennt die Rechnung: Der teuerste Teil eines selten benutzten Geräts ist selten der Kaufpreis.

Klein anfangen

Man muss nicht gleich ein Haus teilen. Ein Lastenrad in der Nachbarschaft, eine Kamera im Freundeskreis, ein Anhänger in der Straße, eine Bohrmaschine im Hausflur: Das sind gute Einstiegspunkte, weil der Schaden bei einem Missverständnis klein und die Ersparnis trotzdem spürbar ist.

Wenn es dort funktioniert, wächst das Vertrauen für Größeres von selbst. Fast alle Gruppen, die heute ein Ferienhaus gemeinsam organisieren, haben mit etwas Kleinerem angefangen.

Was das mit Software zu tun hat

Wenig – und alles. Software überzeugt niemanden davon, zu teilen. Sie kann nur den Aufwand senken, der Menschen davon abhält.

Genau daran messen wir OurThings: nicht daran, wie viele Funktionen es hat, sondern daran, ob eine Gruppe nach einem halben Jahr noch etwas gemeinsam nutzt, das sie sonst vielleicht doppelt gekauft hätte.

Weiterlesen: Auto im Freundeskreis teilen und Was ist eigentlich ein Thing?

Häufige Fragen

Wie viel bringt es ökologisch, Dinge zu teilen?
Der Effekt liegt in der Größenordnung eines Vielfachen, nicht in einzelnen Prozenten. Für CarSharing ist er gut belegt: Ein stationsbasiertes Fahrzeug ersetzt laut Bundesverband CarSharing im Durchschnitt elf private Pkw, in innerstädtischen Wohnlagen bis zu zwanzig. Eingespart werden dabei nicht nur Fahrzeuge, sondern auch Herstellung, Stellfläche und Entsorgung.
Woran scheitert privates Teilen am häufigsten?
Am Aufwand, nicht am Willen. Wenn unklar ist, ob etwas gerade frei ist, wer sich um die Wartung kümmert und wer welche Kosten getragen hat, kaufen Menschen lieber ein eigenes Exemplar. Sichtbare Verfügbarkeit, benannte Zuständigkeiten und eine nachvollziehbare Abrechnung beseitigen genau diese drei Hürden.

Quellen

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